Die Internationalisierung im deutschen Einzelhandel bietet europäischen Lieferanten vielfältige Möglichkeiten, auf einem der größten Konsummärkte Europas Fuß zu fassen. Diese Entwicklung wird durch verschiedene Faktoren wie Nachhaltigkeit, Lieferkettensicherheit und veränderte Konsumgewohnheiten vorangetrieben. Die aktuelle Tendenz, Lieferketten näher an die Absatzmärkte zu verlagern, eröffnet besonders für europäische Hersteller neue Perspektiven im deutschen Markt.
Relevante Produktkategorien für die Internationalisierung
Die Internationalisierung des deutschen Einzelhandels erstreckt sich über verschiedene Produktsegmente und zeigt unterschiedliche Dynamiken je nach Warengruppe. Sowohl der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) als auch der Non-Food-Bereich zeigen eine zunehmende Abkehr von rein nationaler Orientierung.
Non-Food-Segment: Wachstumspotenziale und Marktchancen
Der Non-Food-Bereich umfasst alle Waren, die nicht zum Lebensmittel-Sortiment gehören und repräsentiert ein besonders vielversprechendes Feld für internationale Lieferanten. Prominente Beispiele für erfolgreiche internationale Aktivitäten in diesem Segment sind IKEA, BENETTON, Toys ‘R Us und PORST (Quelle). Diese Unternehmen stehen exemplarisch für die gelungene Internationalisierung im Non-Food-Einzelhandel.
Besonders nachgefragte Non-Food-Artikelgruppen im gewerblichen Bereich umfassen:
- Hotel- und Gastro-Möbel
- Betten und Zubehör
- Matratzen und Schlafausstattung
- Küchenzubehör für Großabnehmer
- Kühltechnik und Großküchenausstattung
- Badausstattung und Sanitärbedarf
- Gartechnik einschließlich Herde und Kochgeräte
- Schließsysteme und Sicherheitstechnik
- Spültechnik für Großküchen
- Table-Top-Produkte wie Besteck und Geschirr
- Berufsbekleidung und Arbeitsschutzausrüstung (Quelle)
Diese Produkte werden für den gewerblichen Sektor über verschiedene Vertriebskanäle angeboten, darunter Online-Plattformen, Großhandel oder Cash & Carry-Märkte. Bei größeren Abnahmemengen erfolgt die Beschaffung häufig über formelle Ausschreibungen (Quelle).
Trend zu “Made in Europe”: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
Ein markanter Trend, der europäischen Lieferanten zugute kommt, ist die wachsende Präferenz für “Made in Europe” bzw. “Made in Germany”-Produkte. Diese Entwicklung wird durch mehrere Faktoren begünstigt:
- Umweltverpflichtungen: Unternehmen setzen sich zunehmend ehrgeizige CSR-Ziele und berücksichtigen den CO2-Fußabdruck ihrer Beschaffungskette. Durch den Einkauf bei europäischen Lieferanten können Unternehmen den CO2-Fußabdruck ihrer Lieferkette reduzieren (Quelle).
- Scope 3-Emissionen: Die indirekten Treibhausgasemissionen der gesamten Wertschöpfungskette machen oft mehr als 80% der Klimabilanz eines Unternehmens aus. Diese entstehen hauptsächlich durch den Kauf von Rohstoffen oder Dienstleistungen sowie durch den Transport von Waren. Die Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten ist eine effektive Maßnahme zur Reduktion dieser Emissionen (Quelle).
- Versorgungssicherheit: Die Covid-19-Pandemie hat Schwachstellen in globalen Lieferketten offengelegt und Unternehmen dazu veranlasst, ihre Beschaffungs- und Produktionsstrategien zu überdenken. Die Verlagerung von Einkäufen nach Europa oder Deutschland bietet größere Versorgungssicherheit (Quelle).
Einkaufsverbände als Marktzugangskanal für internationale Lieferanten
Einkaufsverbände, genossenschaftliche Strukturen und Produktionsverbindungshandels-Organisationen (PVH) spielen eine zentrale Rolle bei der Integration internationaler Lieferanten in den deutschen Markt.
Funktionsweise und Bedeutung von Einkaufsverbänden
Das E/D/E (Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler) ist ein führendes Beispiel für solche Strukturen und fungiert als einer der größten Zentralregulierer in Europa. Es bildet das verbindende Element zwischen Vertragslieferanten und Mitgliedsunternehmen (Quelle). Die Hauptfunktionen solcher Verbände umfassen:
- Zentralisierter Einkauf: Mitgliedsunternehmen können an einer zentralen Stelle zu verhandelten Top-Konditionen einkaufen (Quelle).
- Zentralregulierung: Die Abwicklung der Finanz- und Zahlungsströme zwischen den beteiligten Partnern erfolgt über die Verbandszentrale, im Fall des E/D/E über die ETRIS BANK (Quelle).
- Delkredere-Haftung: Der Verband garantiert, für alle Warenlieferungen und Leistungen einzustehen, was den Lieferanten zusätzliche Sicherheit bietet (Quelle).
Für internationale Lieferanten stellen diese Verbände einen effizienten Zugangskanal zum deutschen Markt dar, da sie nach erfolgreicher Listung Zugang zu einem breiten Netzwerk von Einzelhändlern erhalten.
Digitalisierte Beschaffungsprozesse
Ein weiterer Vorteil ist die fortschreitende Digitalisierung der Beschaffungsprozesse. Der Einkauf bei E/D/E-Vertragslieferanten erfolgt beispielsweise über digitalisierte Prozesse – von der Bestellbestätigung bis zur Rechnung. Dies umfasst Bestellmöglichkeiten über angeschlossene Warenwirtschaftssysteme oder spezielle Webshops (Quelle).
Zulassungshürden und Qualitätsanforderungen für europäische Lieferanten
Europäische Lieferanten, die den deutschen Markt erschließen möchten, müssen verschiedene Standards und Zertifizierungsanforderungen erfüllen.
Europäische Qualitäts- und Sicherheitsstandards
Ein Vorteil für Lieferanten aus dem europäischen Raum ist die weitgehende Harmonisierung von Produktstandards innerhalb der EU. Alle europäischen Länder haben “eine Reihe von Normen und Kriterien eingeführt, denen die auf ihrem Gebiet hergestellten Produkte entsprechen müssen” (Quelle). Diese gemeinsamen Standards erleichtern den grenzüberschreitenden Handel innerhalb Europas.
Branchenspezifische Zertifizierungen
Je nach Produktkategorie können spezifische Zertifizierungen erforderlich sein. Ein Beispiel aus dem Textilbereich ist der Global Organic Textile Standard (GOTS):
- Handelsunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 20.000 Euro mit GOTS-Produkten müssen GOTS-zertifiziert sein (Quelle).
- Unternehmen mit einem geringeren Jahresumsatz an GOTS-Produkten (unter 20.000 Euro) müssen sich lediglich bei einem zugelassenen Zertifizierer registrieren lassen (Quelle).
Die Zertifizierungspflicht gilt unabhängig davon, ob die Waren physisch in Empfang genommen werden oder nicht, solange das rechtliche Eigentum übertragen wird (Quelle).
Strategische Wettbewerbsvorteile durch Internationalisierung
Die Internationalisierung bietet sowohl für Einzelhändler als auch für Lieferanten strategische Wettbewerbsvorteile. Aus theoretischer Sicht wurden frühe Defizite im Bereich der strategischen Führung bei Internationalisierungsprozessen im Einzelhandel inzwischen durch wissenschaftliche Aufarbeitung adressiert (Quelle).
Empirische Studien zeigen, dass besonders umsatzstarke Handelsbetriebe eine systematischere Herangehensweise an internationale Aktivitäten entwickeln (Quelle). Diese Professionalisierung der Internationalisierungsstrategien schafft neue Möglichkeiten für strukturierte Partnerschaften mit europäischen Lieferanten.
Perspektiven für europäische Lieferanten im deutschen Einzelhandel
Der deutsche Einzelhandel bietet europäischen Lieferanten vielversprechende Chancen, wobei besonders Non-Food-Kategorien und nachhaltig produzierte Waren gute Marktchancen aufweisen. Die Nutzung etablierter Strukturen wie Einkaufsverbände kann den Markteintritt erheblich erleichtern, da diese sowohl administrative Prozesse vereinfachen als auch Zugang zu einem breiten Kundennetzwerk bieten.
Die gemeinsamen europäischen Qualitäts- und Sicherheitsstandards sind ein signifikanter Vorteil für EU-Lieferanten, da sie die regulatorischen Hürden beim Markteintritt reduzieren. Zudem kann die Positionierung als europäischer Hersteller mit kurzen Transportwegen und entsprechend geringerem CO2-Fußabdruck als Wettbewerbsvorteil genutzt werden.
Die aktuellen Herausforderungen globaler Lieferketten und der steigende Fokus auf Nachhaltigkeit dürften den Trend zu verstärkter Regionalisierung der Beschaffung im deutschen Einzelhandel weiter verstärken, was zusätzliche Chancen für europäische Lieferanten eröffnet.
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